Monatsarchiv: September 2012

Einmal quer duch Kasachstan

Kasachstan, das war unser erstes Highlight, das erste mal eine wirklich andere Landschaft sehen und Neuland betreten.Gleich hinter der Grenze empfing uns auch schon die ewige Weite, Grasland wohin man guckte.Man sah zwar nicht viel, aber das sah toll aus!

Auf den Straßen am Beginn von Kasachstan mit nur sporadischen Schlaglöchern (dann aber wirkliche Achsbrecher) dachten wir noch in unserem jugendlichen Leichtsinn „Cool, die Straßen hier sind doch gar nicht so schlecht wie alle sagen“….aber Pustekuchen, die gefürchteten Buckel-, Staub- und Rumpeldipumpelpisten ließen nicht lange auf sich warten. Im Björni schepperte alles, da half auch die mm-dicke Staubpatina nicht, die sich mit der Zeit auf alles niederlegte. Da gabs nur 1 Lösung: Luftdruck aus den Reifen. Besser für unsre Ohren und besser fürs Fahrwerk vom Bus.

Oral war unser erster Stop, zum Geld holen, Sim-Karte besorgen und um uns zu registrieren, damit wir dann wieder ohne Probleme aus Kasachstan raus gelassen werden. War alles nicht so einfach. In einem Hotel wollten wir uns registrieren, ging aber nicht, da schnappte uns die Hotelangestellte und führte uns zum Immigrationsbüro, das leider erst in 4 Stunden aufmachte. Also erstmal Geld holen. Wir dachten uns, probieren wir doch mal unsere tollen Travellerchecks aus, die laut Bank in Deutschland sehr gut im Ausland funktionieren würden. Es endete mit einer 2-Stunden langen Odyssee durch Oral von Bank zu Bank bei 40°C im Schatten bis wir endlich eine fanden, bei der der Tausch möglich war…puh! Dann die sim-Karte. Beim ersten Telefonshop wurde uns versichert, Ausländer könnten keine kasachische sim-Karte bekommen. Beim zweiten gings dann plötzlich! Man muss also nur hartnäckig bleiben!

Schon vor Kasachstan hofften wir, eine Reisebegleitung für die einsame Steppe zu finden. Für das Sicherheitsgefühl. Und als wir in Oral dann unsere Registrierung hinter uns bringen wollten, schickte uns das Universum prompt den uralten Landrover (Baujahr 1977, also nochmal 11 Jahre älter als der Björni) von Micha und Anna aus Düsseldorf zu. Haben uns voll gut verstanden auf Anhieb und als wir rausfanden, dass wir mit Kirgistan das gleiche Ziel haben, war die Fahrgemeinschaft gegründet und der Björni fühlte sich so jung wie noch nie J

Dann konnte also die Steppe kommen. Wir wussten ja dass uns mit Kasachstan ein großes Land erwartet, aber wie riesig es wirklich ist realisierten wir erst nach 2 Wochen durch Steppe fahren..

Bereits kurz hinter Oral begann dann die Riesenbaustelle, eine neue Asphaltstraße bis Almaty. Teile waren schon fertig und waren wunderbar zu fahren. Der Rest war Nebenpiste in miserablem Zustand. Da konnten wir oft nur mit 30 km/h drüberrumpeln. Aber durch den ganzen Staub bekam der Björni ein echt schickes Tarnmuster J

Auf Straßen mit 40 km oder mehr ohne Kurve waren wir echt froh über unsre Hörbücher, die wir vor der Reise noch mitbekommen haben. Wo uns auch kein Auto entgegen kam haben wir uns sogar über Kühe auf oder vor allem über Kamele neben der Straße gefreut!! Super gemütlich trotten die Kamele durch die Steppe oder liegen kauenderweise einfach nur da….schönes Bild! Manchmal kamen kasachische Reiter zu uns geritten und fragten nach Wasser, wir vermuteten das waren die Kamelhüter.

Eins muss man Kasachstan aber lassen: an einsamen und ruhigen Stellplätzen mangelt es bei 6 Menschen pro km² nicht!! Da kann man auch schon mal hinterm Bus mit der Solardusche unbekümmert eine Dusche nehmen und den Staubpelz abwaschen. Der Sternenhimmel war auch immer der Hammer! Da es sich nachts auch nicht sehr abkühlte verlagerten wir auch mal das Bett nach draußen.

Nach einigen Tagen erreichten wir dann Aralsk, das einst am fischreichen Aralsee lag, und heute nur noch ein wirklich trostloses trockenes Dörfchen ist.2 große Flüsse speisten einst den Aralsee, die Syrdaria, die heute wenigstens noch in den Kleinen Aralsee fließt, für den es noch Hoffnung gibt, und die Amundaria, die nichts mehr vom Aralsee erreicht. Für uns wäre es ein zu großer Aufwand gewesen die 300km, zum Aralsee-Rest zu fahren, deshalb fuhren wir lieber zu einem kleinen Süßwassersee zum Baden J

Das beste Nahrungsmittel in der Steppe ist definitiv die Wassermelone! Die gab es auch überall neben den Straßen voll günstig zu kaufen. Das war super! Super waren auch die Melonentransporte, ob als vollgestopftes Auto oder auf dem Eselskarren, war immer ein klasse Bild.

Hinter Shimkent nahe der Grenze zu Usbekistan sahen wir dann Berge am Horizont….jippiiih! Dort hatten wir einen sehr lustigen und interessanten Abend mit Kasachen, die uns zu einem Vodka-Gelage mit Honig, Melone, Brot und Wurst eingeladen haben. Da saßen wir nun mit ihnen und haben uns mit Händen und Füßen verständigt und das klappte überraschend gut. Vielleicht auch weil einer von ihnen ein selbsternannter Schamane war und aus den Händen die Zukunft lesen konnte. Es war echt ein Heidenspaß mit ihm J Mit zunehmendem Vodka-Anteil im Blut sangen und tanzten sie wie wild und wünschten sich Modern Talking Lieder…naja, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten J

Mit den Klapperkisten und Monster-LKWs auf den Straßen war Schluss als wir nach Almaty kamen, fast nur noch neue, blitzende Autos ala Porsche oder Toyota umgaben uns im Verkehrsgetümmel. Die Stadt an sich hat uns ziemlich gut gefallen, recht sauber und es wird extrem viel Wert auf Begrünung gelegt und überall wurden Blumen und Bäume gegossen. Wasser gibt es hier also genug, die Berge sind ja auch direkt im Süden. In Almaty mussten wir unser Mongolei-Visum beantragen, das ging ohne Probleme. Die Mongolei war ja eigentlich gar nicht auf unserem Reiseplan, da aber China kurz nach unserer Abreise sich eine tolle neue Regel ausgedacht hat, dass wir die chinainterne Grenze von Xinjiang nicht überqueren dürfen, müssen wir den Weg über die Mongolei nehmen . Und reisen 3 Wochen später im Osten der Mongolei wieder nach China ein. Für die 3 Tage Bearbeitungszeit sind wir in die Berge im Süden von Almaty „geflüchtet“ und hatten eine superschöne entspannte Zeit in einer traumhaften Landschaft, fast wie in den Alpen. Der Big Almaty Lake auf 2500m war leider schon Grenzgebiet zu Kirgistan und Wasserversorgung für Almaty, deshalb kam er als Schlafplatz nicht in Frage. Doch wir fanden einen kleinen Bach und erledigten Sachen, die schon lange auf der „To Do“ Liste standen.

Nach unserem „Kurzurlaub“ konnten wir unsere Pässe mit den druckfrischen Mongolei-Visas abholen. Weil einen Tag später unser Studienfreund Marcus aus dem Norden von Kasachstan mit dem Zug in Almaty eintreffen wollte (36 Stunden Zugfahrt!!!!) blieben wir noch einen Tag und hatten eine recht laute Nacht am Bahnhof. Aber wie oft trifft man sich in Almaty? Dafür kann man schon mal eine schlaflose Nacht in Kauf nehmen J Der Green Bazar ist wahrscheinlich die größte Attraktion in Almaty. Hier gibt es wirklich alles, vom frisch geschlachteten Schaf oder Pferd, nationale und internationale Gerichte, Trockenfrüchte und Nüsse, Gebäck, Obst und Gemüse, Socken, Hüte, Elektrogeräte und Plastikzeugs „Made in China“. Echt beeindruckend.

Dann hatten wir wieder genug von Stadt und wollten endlich nach Kirgistan, in die „richtigen“ Berge J  Also Schlüssel umdrehen, dem Björni sagen wo es hingeht und ab dafür.  Wir melden uns wieder…..

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